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Titelbild

DER LABYRINTHFÜHRER

Eine Melancholie

Text, Inszenierung: Witek Danielczok
Schauspiel: Peter Dieling, Giampiero Piria
Gesang: Asli Bulat
Musik : Witek Danielczok, Dorothee Emondts, Stefan Pape
Dauer: ca. 50 Minuten

Uraufführung am 10. Januar 2013
im Theater der Gezeiten, Bochum

Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Bochum

Das Werk erzählt von der leisen, einsamen Arbeit eines Labyrinthführers, von seinem Beruf, der bar jeder Spezialisierung alle anderen Berufe in Frage stellt. Ohne erkennbare Arbeitgeber, mit Zeit als einziger Belohnung ist der Labyrinthführer ein Phantom in der Leistungsgesellschaft. Unsichtbar für Überwachungskameras, unfassbar durch die Ämter. Umso mehr, da die Existenz seines Arbeitsplatzes, des Labyrinths, vehement verneint wird.


Silverlight Version Rss  Aus dem Text:

 Ich sammle meine Rente
 Indem ich mich selbst kasteie
 In Räumen
 Wo ich nichts zu suchen habe
 Der kameraüberwachte Raum mit einem Geldautomaten
 Gehört dazu
 Hier bin ich ein Heuchler vor Gott
 Hier stehe ich vor seinem Altar
 Und habe ihm doch keine Opfer dargebracht
 Ich habe nicht wie die anderen
 Ihm riesige Parzellen
 Meiner Lebenszeit geopfert
 Nicht die Biegsamkeit  meines Körpers
 Bis zu chronischen Rückenschmerzen
 Nicht mein Familienleben
 Ich habe nicht die Poesie aus meinem Herzen verbannt
 Was ein unvergleichliches Opfer gewesen wäre
 Wie soll ich mich bitte schön da verhalten?
 Wie einfügen in das Verhalten der anderen?
 O Gott, wenn es nur erlaubt wäre
 Ich würde hier drei Zigaretten in zwei Minuten rauchen
 Um nur ein bisschen meiner Gesundheit zu opfern
 Und wäre es nicht zu blöd
 Ich würde auf der Stelle
 Hundert Liegestütze machen
 Oder meine Pulsadern öffnen
 Und das Blut auf den Altar mit den Knöpfen
 Träufeln lassen